Löwin und Löwe

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Löwin und Löwe

Beitrag von Christiane am Mo Jul 05, 2010 1:33 pm

Ich traue mich jetzt mal, hier meine aktuelle FanFiction einzustellen. Ich hoffe sehr, das ich dafür nicht gehasst werde.
Die realen Personen gehören alle sich selbst und ich habe keienrlei Rechte an irgendwelchen Marken usw. EInfach nur Fanarbeit, aus einem witzigen Gedanken heraus entstanden.
Updates kommen unregelmäßig. Rating ist Vorsichtshalber NC - 17, aber es kommt bislang nocht nichts wirklich schlimmes vor.


Gegen 23 Uhr klingelte mein Handy. Ich antwortete nur mit einem knappen „Ja?“ „Kann ich vorbei kommen? Ich muss dich sehen.“ Ich wusste, dass er das sagen würde. Ich holte einmal tief Luft und sagte dann schließlich. „Ja, natürlich“.
Um 23:15 klingelte es an der Tür. Ich war wütend und gleichzeitig aufgeregt. Wütend, weil er es manchmal monatelang für angebracht hielt, sich nicht zu melden, und aufgeregt, weil ich ihn dennoch liebte und jede Sekunde, die ich mit ihm verbringen durfte, genoss.
Ich ging zur Tür, und hoffte, er habe eine Tasche dabei. Dann würde er zur Abwechslung mal eine ganze Nacht bleiben.
Ich öffnete, und ließ gleich die Schultern sinken, als er nur dastand, die Hände in den Manteltaschen vergraben, ohne Tasche, frierend in der Kälte. Er lächelte. „Darf ich reinkommen?“ Ich ging einen Schritt beiseite, ohne etwas zu sagen.
Er stand im Flur und legte schon seine Jacke ab, um sie an der Garderobe aufzuhängen. „Was ist denn los mit dir?“ „Was los ist? Ich habe dich über ein Jahr nicht gesehen. Nach dem letzten Mal bist du gegangen… hast mich geküsst und gesagt…“ meine Stimme versagte kurz bei dem Gedanken an seinen letzten Abschied. „… du rufst mich an.“ Er konnte ja nicht wissen, was im letzten Jahr alles passiert war. Er kam einen Schritt auf mich zu. Er war noch genauso trainiert, und seine Bauchmuskeln waren ganz fest und er roch unwahrscheinlich gut. Er nahm mich in den Arm. „Es tut mir leid, Christin. Das wollte ich nicht. Aber ich hatte unglaublich viel um die Ohren, wie du in den Zeitungen vielleicht gelesen hast.“ Er hob mein Kinn an, so dass ich ihm in die Augen schauen musste. Mir liefen Tränen die Wangen hinab. Er küsste mich, ganz lang und innig. Dann schob er mich drängend die Treppe hinauf. Ich wusste, er würde gleich danach wieder gehen. So wie beim letzten Mal. Er zog mich in mein Schlafzimmer. Wir küssten uns und zogen uns gegenseitig aus. Er war ein sehr guter Liebhaber, das hatte ich vollkommen vergessen.
Danach ließ er sich neben mich ins Bett fallen und seufzte tief. „Ich habe ganz vergessen, wie gut du bist.“ „Oh ja, ich auch.“ Antwortete ich. Dann hörte ich ein tiefes Grunzen aus dem Babyphon. Ich hielt die Luft an. Joachim sah mich fragend an. „Hast du ein Kind zum aufpassen da? Über Nacht?“ Ich war in der Nachbarschaft oft diejenige, der man die Kinder anvertraute, aber über Nacht war noch nie eines geblieben. Ich hatte noch nicht wieder gewagt, zu atmen. „Nun ja…“ begann ich. „Nicht ganz.“ Er sah mich noch immer fragend an. „Bist du etwa Mutter geworden?“ Ja, das entsprach schon eher der Wahrheit. „Ja, im Nebenzimmer schläft mein Sohn. Dein Sohn. Unser gemeinsames Kind.“ Joachim riss die Augen weit auf. „Nein, das ist nicht wahr. Das kann nicht…“ Er stand sehr schnell auf und riss seine Sachen an sich, hastete ins Bad und zog sich an. Ich nutzte die Zeit zum nachdenken und warf mir einen Bademantel über. „Christin, erklär mir das bitte.“ Sagte er, noch sichtlich aufgewühlt über die Nachricht. „Es tut mir leid, aber ich konnte dich nicht erreichen und ich wollte dich nicht in Schwierigkeiten bringen. Es hat bisher auch so ganz gut geklappt, wie du siehst. Lukas und ich kommen sehr gut zurecht, danke.“ „Christin, ich wollte wissen, wie es sein kann, das du schwanger geworden bist. Wir haben doch immer verhütet. Das war doch kein Trick, von dir, oder?“ „Nein, Joachim, das solltest du mittlerweile wissen, dass ich sowas nicht mache. Und schon gar nicht mit dir. Ja, ich habe die Pille genommen. Aber ich war damals sehr stark erkältet, falls du dich noch erinnern kannst. Und ich habe sehr viele Medikamente durcheinander genommen und die haben die Wirkung der Pille vermindert. Ich habe nicht daran gedacht. Es tut mir leid.“. Ich ließ mich wieder aufs Bett fallen. Ich begann zu schluchzen und weinte heftig. Er stand noch eine kurze Weile unentschlossen im Raum, rang sich dann aber doch dazu durch, mich in den Arm zu nehmen und zu trösten. „Wenn ich etwas für dich tun kann, euch irgendwie helfen kann, dann sag es mir. Ich werde zu der Verantwortung stehen.“ Ich schluchzte, holte Luft, nahm mir ein Kleenex aus der Box auf dem Nachttisch und schnäuzte mich, bevor ich ihn ansah. „Meinst du das ernst? Lukas könnte einen Vater gebrauchen.“ Er hob abwehrend die Hände. „Christin, das geht nicht und das weißt du. Ich würde alles tun, aber nicht das. Das bringt Schlagzeilen und das ist das letzte, was ich will.“ Er ließ die Hände wieder sinken. „Aber wenn ihr Geld braucht oder ich sonst etwas tun kann, dann sag es.“ „Nein, Joachim, ich will einen Mann, einen Vater für Lukas, einen Mann, auf den ich mich verlassen kann. Weißt du, es ist nicht leicht, einen Mann zu finden, der das Kind eines anderen akzeptiert, noch dazu, wenn die Mutter nicht sagen will wer es denn ist.“ Ich machte eine kurze Pause. „Joachim, ich liebe Dich.“
Er war sichtlich verwirrt. „Christin, ich bin verheiratet und ich kann Daniela das nicht antun.“ „Könntest du nicht mit einem ‚Ich liebe dich auch‘ antworten?“
Er sagte nichts. „Christin, ich habe eine Frau. Ich bin verheiratet, das weißt du.“ „Ja, aber ihr habt keine Kinder. Ich weiß nicht, wie oft du mir damit in den letzten 5 Jahren auf den Wecker gegangen bist. Mit mir hast du einen Sohn.“ „Hör zu, kann ich eine Nacht hier bleiben?“ Ich war verwundert und glücklich über seinen Sinneswandel. „Ja, natürlich!“ antwortete ich mit etwas zu viel Überschwänglichkeit. „Nein, ich brauche Platz, Zeit zum nachdenken. Kann ich auf der Couch schlafen?“ „Hm, ja.“ Ich stand auf, und ging runter ins Wohnzimmer. Ich kramte die Kissen und die Decke raus und machte die Couch schlaffertig. Während ich im Wohnzimmer rumorte, hörte ich ihn im Flur telefonieren: „Ja, ich bin’s. Tut mir leid, dass ich so spät noch störe. Ja… ja.. tut mir leid. Ich muss alle Termine für morgen absagen. Nein, kann ich nicht sagen…. Nein, ist privat… Ja und morgen früh melde ich mich, wenn ich mehr weiß. Ja… danke. Wiederhören.“ Dann drückte er ein paar Knöpfe. Es schien eine Weile zu klingeln. „Ja, ich bin es. Wecke ich dich etwa? Oh, das tut mir leid, wie spät ist es denn bei euch? … Oh, das hatte ich ganz vergessen. Ich rufe dich an, weil ich hier ein paar Termine habe und das dauert länger als geplant. … Nein, den habe ich nicht vergessen. … Ja, das tut mir leid, Liebes. … Ja, ich dich auch. Schlaf gut.“ Dann legte er wieder auf. Er schien wütend zu sein. „Ich hoffe, es ist in Ordnung, so. Wenn du noch was brauchst, ich bin oben.“
„Ja, ich bräuchte noch etwas.“ Ich blieb stehen und sah ihn fragend an. „Ich möchte ihn gerne sehen.“ Ich sagte nichts, bedeutete ihm nur, mir zu folgen. Das Kinderzimmer war oben, wo früher mein Zimmer gewesen war. Er stand neben mir, als ich die Hand auf die Türklinke legte. Ich sah ihn an und hob meinen Zeigefinger an die Lippen und bedeutete ihm leise zu sein. Er nickte. Ich öffnete die Tür und er ging ganz leise hinein. Ich folgte ihm. Er stellte sich vor das Gitterbettchen und legte seine Hände auf das Gitter. Er starrte Lukas ungläubig im Halbdunkel an. Ich sah ein Wechselbad der Gefühle auf seinem Gesicht - Unglaube, Freude, Faszination. „Er ist unglaublich…“ sagte Joachim. Ich lächelte. Ja, das war auch mein Gedanke gewesen, als ich ihn das erste Mal in den Armen hielt.
„Er hat braune Augen. Wie du.“ Flüsterte ich. Joachim lächelte mich an. „Lassen wir ihn schlafen.“ Flüsterte er zurück.

Dann ging ich wieder in mein Zimmer und räumte dabei erst einmal das Durcheinander an Kleidung auf. Kurz darauf meldete sich Lukas. Er hatte Hunger. Ich seufzte, nahm das Stillkissen und legte es mir zurecht. Dann holte ich Lukas, prüfte seine Windel und ging dann mit ihm zum Sessel und legte ihn zum Stillen an. Sofort setzte das vertraute Ziehen in der Brust ein und ich hörte ihn schmatzen. Ich machte meine Augen für einen Moment zu und versuchte, an nichts zu denken und ganz entspannt zu bleiben. Nach etwa fünf Minuten legte ich ihn an die andere Seite. Als er auch hier knappe fünf Minuten getrunken hatte, nahm ich ihn hoch und ließ ihn aufstoßen. Ich wischte mit einem Mulltuch die überschüssige Milch von seinem Mund, drückte ihn noch einmal an mich und legte ihn dann wieder schlafen. Die Prozedur machten wir nun seit fast zwei Monaten jede Nacht und das Ganze im Dunkeln war ziemlich anstrengend. Dann ging ich ins Bad und wischte meine Brust mit einem warmen Waschlappen ab. Danach ging ich ins Bett und schlief prompt ein.
So zwischen drei und vier wurde ich noch einmal wach, aber nicht wegen Lukas, sondern wegen Joachim. Er hatte sich zu mir ins Bett gelegt und seine Hand auf meinen Bauch gelegt.
„Es tut mir leid, dass ich nicht dabei war.“ Flüsterte er in mein Ohr, bevor ich wieder wegdämmerte. Um halb sechs war Lukas wieder wach. Um diese Zeit nahm ich ihn immer mit in mein Bett, um ihn dort anzulegen und um dabei noch ein wenig schlafen zu können.
Ich tat dies vollkommen mechanisch, außer Acht lassend, das Joachim da war. Er stützte seinen Kopf auf die Hand, als ich den Kleinen hereintrug.
Ich legte mich mit ihm ins Bett und legte ihn wie gewohnt an. Joachim verfolgte unser Tun mit sehr viel Aufmerksamkeit. „Das ist so schön.“ Sagte er schließlich. „Tut mir leid, was ich dir vorhin an den Kopf geworfen habe. Ich wollte das nicht. Es ist halt nur sehr überraschend.“ „Shhh.“ Sagte ich nur und nickte. Irgendwie hatte ich gewusst, dass er sich entschuldigen würde. Er streichelte ganz zart meinen Arm und ich spürte seinen Atem auf meinem Rücken, während er immer wieder Küsse auf meinem Nacken verteilte. So war ich schließlich eingeschlafen.
Am Morgen war das Bett neben mir leer. „Shit!“ war mein erster Gedanke. Er war wieder weg. Schon wieder. Ich nahm Lukas, der neben mir liegend mit seinen Zehen gespielt hatte auf den Arm und ging mit ihm nach unten. Noch auf der Treppe kam mir der Geruch von Kaffee und frischen Brötchen entgegen.
„Ich wusste nicht, ob du Kaffee trinken darfst. Deswegen gibt es auch Saft.“ Lächelte er mich an. Er hatte Frühstück gemacht! Ich hielt mir eine Hand vor den Mund. Er kam ein paar Schritte auf mich zu und hielt mir seine Hände hin. „Kannst du mir verzeihen? Gibst du mir noch eine Chance?“





5 Jahre zuvor

Christin arbeitete in Freiburg in einem kleinen Restaurant als Aushilfe, um sich etwas Geld dazu zu verdienen. Sie hatte gerade das Haus ihrer Eltern geerbt, die vor kurzem bei einem tragischen Unfall verstorben waren. Das Haus war arg renovierungsbedürftig und ihre Eltern hatten weder das Geld, noch die Kraft dazu. Wollte sie das Haus verkaufen, musste sie es renovieren lassen, wollte sie es behalten, ebenso. Ihr blieb also nichts anderes übrig.
Christin war eine Träumerin, aber stets freundlich und hilfsbereit und so hatten sie die Gäste des beschaulichen Omas Küche schnell ins Herz geschlossen. Die Gäste schätzten ihre leichte, unbeschwerte und herzliche Art sehr. Damals kamen noch nicht sehr oft prominente Gäste in das Lokal, zumal es hippere und modernere gab, als Omas Küche.
Eines Abends, im Spätsommer 2005 betrat Joachim das Lokal. Aber er war nicht allein. Einige Kollegen waren mitgekommen, um den Abend ausklingen zu lassen. Das Etablissement war ihnen empfohlen worden, erfuhr Christin später. Sonst wären sie sich vielleicht nie begegnet, obwohl sich ihre Wege schon sehr früh hätten kreuzen müssen, lebte Christin doch damals auch noch in Schönau. In dem Moment, als Joachim und seine Kollegen das Lokal betraten, begann aus den Lautsprechern „Une homme et une femme“ aus den 60er Jahren zu klingen. Christin schnappte sich ein paar der Menükarten und nahm die Herren in Empfang. „Darf ich die Herren an einen Tisch führen?“ „Ja freilich!“ hatte einer der Männer geantwortet. Joachim stand direkt vor ihr und lächelte nur. Sie spürte, wie ihre Ohren heiß wurden und sah dann verlegen weg. „Bitte folgen Sie mir!“ hatte sie gesagt und die Gruppe den Abend über bewirtschaftet. Sie wusste, dass sie sich hier keinen Fehler erlauben durfte, also versuchte sie ihr Bestes. Sie achtete stets auf saubere Aschenbecher, nahm Kaffee und Dessertbestellungen an, und füllte Gläser nach. Joachim trank nach dem Essen einen Espresso und kam dann zu ihr an die Theke. „Der schaut dich schon den ganzen Abend an!“ hatte der alte Wirt ihr noch zugeflüstert und sie angestoßen, als er schon vor ihr stand. „Ich hätte gerne meine Rechnung.“ Sagte er leise, mit einem Lächeln im Gesicht, das auch seine Augen erreichte und Christins Wangen rot färbte. „Oh ja… natürlich! Hat es Ihnen denn geschmeckt?“ fragte sie, während sie ihm die Abrechnung zuschob. Er legte ihr das Geld hin, zwinkerte ihr zu: „Der Rest ist für dich. Und ja, es hat mir hier sehr gefallen! Ich werde ganz bestimmt öfter hierher kommen!“ Dann reichte er ihr die Hand, was ihr ungewöhnlich erschien, doch sie gab ihm die Ihre. Er lächelte noch einmal, dann schwang er sein Sakko über die Schultern und ging ins Freie. Sie sah ihm noch einige Sekunden nach, bis sie begriff, was er ihr da in die Hand gedrückt hatte. Einen Zettel. „Ich muss mal schnell wohin!“ sagte sie hastig zum alten Wirt und verschwand dann auf der Angestellten Toilette. Sie setzte sich auf den Deckel und faltete den Zettel auseinander.

Ich würde dich gerne wiedersehen.
J.L

Mehr nicht. Keine Telefonnummer, keine Verabredung, kein gar nichts. So eine feine Handschrift… sie strich mit dem Finger über die Linien und konnte es nicht fassen.
Sie sprühte sich ein wenig von dem Parfum auf, das sie für heiße Tage dort verwahrt hatte und ging dann wieder zu den Gästen. Den Zettel steckte sie in ihren BH.


Einsichten

Gegenwart

Christin stand da und schüttelte den Kopf. „Joachim, wie meinst du das? Warum… woher dieser Sinneswandel?“ Er kam einen Schritt auf mich zu und berührte mit der einen Hand das Baby in meinem Arm.
„Ich habe mir schon Kinder gewünscht. Aber es kam nie dazu. Ich habe immer gearbeitet. Das und der Sport waren mir letzten Endes einfach wichtiger. Aber ich will für meinen Sohn da sein.“ Ich legte Lukas in seine Babyschale. „Und wie stellst du dir das vor?“ „Ich weiß nicht, was hast du dir denn vorgestellt?“ Ich überlegte einen Moment. Ja, was genau hatte ich mir dabei eigentlich gedacht? Ich hatte vor einem Jahr nicht geglaubt, das er sich überhaupt noch einmal melden würde und das das Baby, das ich in meinem Bauch trug meine letzte Erinnerung an ihn war. Ich hatte immer geglaubt, ich würde mit Lukas irgendwie über die Runden kommen. Ich hatte etwas gespart, das Haus war abbezahlt, bis auf den Kredit für die Renovierung, die ich hatte machen lassen, mit der Unterstützung von Freunden, unter denen einige Handwerker waren, hätte ich es nicht geschafft. Von Zeit zu Zeit waren noch andere Kinder da, auf die ich aufpasste und verdiente so ein bisschen Geld. Natürlich war es knapp und ich hätte gerne mal neue Klamotten oder wie gerne würde ich mal wieder schick essen gehen, aber das war eben nicht drin und ich hatte mich damit abgefunden. Ich hatte nie zu hoffen gewagt, dass Joachim seinen Sohn sehen wollte. Oder sich überhaupt meldete, solange er noch Bundestrainer war. „Ich… ich weiß es nicht.“ Stotterte ich.
„Ich werde mit Daniela reden, ihr alles erzählen. Und dann werden wir entscheiden, was wir tun.“ „Ach und ich darf nichts sagen?“ „Ja, dann sag es halt!“ „Willst du nicht zu mir ziehen? Ich will dich bei mir haben.“ „Christin, das ist nicht dein Ernst, oder? Ich muss das alles hier, “ und dabei wedelte er mit seinem Finger im Kreis; „Daniela erzählen und sie bitten, mir zu vergeben. Obwohl ich mir schlecht vorstellen kann, das sie dazu in der Lage sein wird, was ich ihr nicht einmal verübeln kann. Ich muss erst mit ihr reden. Danach kann ich weiter entscheiden. Christin, bitte versteh, ich beginne langsam zu zweifeln, warum ich das überhaupt gemacht habe, mit dir. Ich verstehe mich selbst nicht mehr! Ich bin ein rationaler Mensch, der Beziehungen im Kopf und nicht im Bauch entscheidet. Aber du…“ er fasste mein Kinn und streichelte meine Wange. „Du warst so schön und so… du bist erfrischend, herzlich, nett, liebevoll… du gibst mir das Gefühl angekommen zu sein.“ Er ließ die Hand und die Schultern sinken. „Sei mir nicht böse, aber ich habe Termine. Ich muss los.“ Er drückte mir einen Kuss auf die Wange und huschte in den Flur und zur Tür raus. Ja, hau du nur ab, Hoffentlich sieht jemand, wie du am frühen Morgen mit offenem Hosenstall aus meinem Haus kommst! Innerlich lachte ich. Ich war wütend. So richtig, richtig wütend. Und traurig. Traurig, das er wohl nicht wiederkommen würde, weil das für ihn zu viele Schlagzeilen bedeutete und er hielt sein Privatleben lieber geheim. Na kein Wunder!
Nach dem Frühstück, bei dem ich versuchte, an nichts zu denken und das Radio lauter drehte, als üblich, hörte ich die Nachrichten: „Bundestrainer Joachim Löw kann an der Pressekonferenz heute Nachmittag nicht teilnehmen. Die FIFA erwartet ein offizielles Statement zum fernbleiben Löw’s. Und nun zum Wetter…“ Ich hielt die Luft an. Er hatte tatsächlich seine Karriere aufs Spiel gesetzt, als er die Termine wegen mir abgesagt hatte! Die FIFA wird ihn sicherlich ermahnen, wenn er bei einer offiziellen Pressekonferenz fehlt.
Dann überlegte ich mir, da es nicht allzu kalt war, wäre ein kleiner Spaziergang mit Sicherheit nicht schlecht. Auch ich musste über einiges nachdenken.
Ich packte den Kleinen so dick wie nur irgend möglich ein und verstaute ihn dann, satt, sauber und sicher in seinem Kinderwagen, während ich Mantel und Schal anlegte. Es war Anfang Dezember, aber schon sehr knackig kalt, hier unten in Baden. Es waren nicht viele Leute zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs, aber irgendetwas war seltsam. Und ich befürchtete, dass es ein Fehler gewesen war, Joachim bei mir übernachten zu lassen. Einige meiner Nachbarn (wohl die, die morgens schon um 6 Uhr aufstanden, um bloß zu sehen, wer aus wessen Haus kam und wer wann wohin ging) sahen mich neugierig an und tuschelten. Oh ja, es war ein Fehler gewesen und was für einer! Ich ging Richtung Supermarkt, um ein paar frische Zutaten für das Essen einzukaufen. Am Nachmittag würden Justin und Jenna vorbeikommen. Geschwister aus der Nachbarschaft, auf die ich manchmal aufpasste, wenn die Eltern ihre Ruhe brauchten. Sie wollten Weihnachtsgeschenke kaufen und Petra hatte mich um Hilfe gebeten. Ich hatte ihr angeboten, mit den Kindern Kekse zu backen, bis sie wieder da waren.
Diese Blicke von allen Seiten machten mich wahnsinnig! Am liebsten hätte ich rausgeschrien, das ich die Geliebte von Joachim Löw war und das es ihnen scheißegal sein konnte, mit wem ich ins Bett ging oder nicht. Aber das konnte ich unmöglich tun.
Mittlerweile wusste ich, warum Daniela Löw ihre Privatsphäre brauchte und sich nie mit ihrem Mann in der Öffentlichkeit sehen ließ. Wie beneidete ich sie in diesem Moment!
Ich kaufte sehr abwesend in Gedanken ein, und versuchte das Getuschel, das von Zeit zu Zeit aufkam, auszublenden. „Durchatmen! Du bist ein Gänseblümchen! Das kann dir egal sein! Du liebst ihn! Und er liebt dich, ganz sicher! Auch, wenn er es in den letzten Jahren noch nie gesagt hat…“
Ich dachte daran, wie es gewesen war, als wir das erste Mal eine etwas andere Verabredung hatten.
Es war nicht leicht gewesen, nach dem einen Abend im Restaurant, ihn anzurufen oder ihn irgendwie zu erreichen, auch er hatte keine Nummer von mir, also musste ich warten. Und das war die reinste Hölle! Ich war abwesend bei der Arbeit, zuckte zusammen, wenn das Telefon klingelte! Er hätte es schließlich sein können! Aber dann kam der Tag, vollkommen unvorbereitet. Es war noch Spätsommer und es war sehr warm für September. Nach der Arbeit durfte ich meine normalen Sachen wieder anziehen und die bestand an diesem durchaus lauen Abend aus einer luftigen Tunika Bluse und engen Shorts. Für den Weg nach Hause hatte ich eine Strickjacke dabei, die ich beim Hinausgehen enger um mich schlang. „Ich hatte gehofft, es würde nicht allzu spät werden, dann muss ich nicht so lang hier draußen warten.“ Er saß in einem Auto, das auf der anderen Straßenseite stand. Es sah sehr gewöhnlich aus, fiel überhaupt nicht auf. Ich war erstaunt. „Hallo.“ Sagte ich, sehr nüchtern und immer noch überrascht. „Na komm, ich fahr dich heim.“ Verdutzt und Kopfschüttelnd ging ich rüber und stieg ein. „Ich war mir nicht sicher, wann du Feierabend machst, also dachte ich, es wäre besser, zu warten, als reinzukommen. Ich hatte ja keine Telefonnummer.“ „Hm ja… das ist natürlich schwer. Aber ein Mann wie Sie hat doch sicherlich die Mittel an die Nummer einer kleinen Kellnerin zu kommen, oder etwa nicht?“ „Nein, sowas mache ich nicht. Das wäre Missbrauch meines Ansehens. So bin ich nicht. Ich will privat die Menschen kennenlernen. Meine Arbeit halte ich da vollkommen raus.“ „Mh- hm.“ Ich nickte. Ich saß ganz schön in der Zwickmühle. Ich fand ihn sehr attraktiv und er brachte mich zum erröten, aber wollte ich das wirklich? Wir schwiegen. Dann fiel mir ein, dass ich ihm ja gar nicht gesagt hatte, wo ich wohnte! „Oh!“ sagte ich sehr laut. „Was denn?“ fragte er sehr höflich. „Ich habe Ihnen nicht gesagt, wo ich wohne.“ „Nun, um ehrlich zu sein war es nicht meine Absicht, dich heimzufahren. Ich lerne dich kennen. Geh etwas mit mir essen. Nur einmal. Bitte.“ In Ordnung. Einmal essen gehen. Das konnte ich. Ein bisschen Konversation, nichts Ernstes. Vielleicht ein Kuss an der Haustür, mehr nicht. „In Ordnung.“ Antwortete ich sehr knapp.
Wir fuhren zu einem schicken Italiener, wo ich die beste Pasta aß, die ich je gegessen hatte und einen sehr leckeren Weißwein trank. Ich war ein wenig angeschwipst und hatte rote Wangen vom Wein. Wir lachten sehr viel. Ich hätte nicht gedacht, dass er so einen tollen Sinn für Humor hat!
„Ich hatte noch nie so viel Spaß, wie heute Abend!“ sagte ich etwas überschwänglich zu ihm. Er lächelte nur. „Das freut mich. Ich bin glücklich, wenn es den Menschen um mich herum gut geht.“ Das Essen war wirklich ganz easy verlaufen und ich machte mich auf eine entspannte Heimfahrt gefasst. Als wir einstiegen, sagte ich ihm, wo ich wohnte und er fuhr mich hin. Er stieg, vor meiner Tür angekommen aus und öffnete mir die Wagentür. Ich war ganz schön betrunken. Den Wein hatte ich glaube ich ganz allein ausgetrunken. So ganz genau hatte ich das nicht mehr mitbekommen. Er führte mich zur Haustür und ich kramte meine Schlüssel aus den Tiefen meiner Handtasche.
Ich holte tief Luft. „Also dann. Danke für den wirklich schönen Abend.“ Ich wollte mich zur Tür drehen und aufschließen, als er mich küsste. Es war… unbeschreiblich. Sein Mund auf meinem… sein Duft, der in meine Nase stieg, ich hatte meine Hände in letzter Sekunde auf seine Brust gelegt, wo ich jetzt seine Brustmuskeln betastete, die unglaublich gut trainiert waren! Unwillkürlich seufzte ich und öffnete meinen Mund, und spielte mit seiner Zunge. Er küsste toll! Er drückte mich näher an sich. Meine Hände wanderten abwärts und ich fühlte seinen Bauch. Er war nicht ganz so hart, wie bei einem Zwanzigjährigen, aber er war sehr fit für sein Alter! Ich schob ihn von mir, mir wurde schwindelig. Das ging viel zu schnell für meinen Geschmack! „Stopp.“ Sagte ich leise, aber bestimmt. „Danke, aber nein danke. Der Abend war schön, aber ich will es nicht übertreiben.“ „Gibst du mir wenigstens deine Telefonnummer? Bitte!“ Er gab mir eine Serviette, die er aus dem Restaurant hatte und einen Stift. Ich schrieb meine Handynummer und auch meine Festnetznummer auf. Einen Namen schrieb ich nicht dazu. Im Nachhinein bereue ich es. Hätte ich es getan und jemand hätte die Serviette gefunden, es wäre alles dort zu Ende gewesen. Aber so war es nicht gewesen.
Ich flüsterte ein vages „Tschüss“ und er lächelte nur, die Serviette in der Hand. Irgendwie altmodisch, aber ich mochte es. Als ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, war ich plötzlich vollkommen nüchtern oder ich fühlte mich zumindest so. Ich seufzte. Was tat ich da nur?

Ich war mittlerweile mit Lukas vom Einkaufen wieder daheim. Ich hatte wie ein Zombie ausgesehen, der alles ausblendet, nur um das Gerede nicht zu hören. Ich fragte mich immer noch, warum ich mir das eigentlich antat. Aber ich liebte Joachim mittlerweile viel zu sehr, als das ich ihn wirklich aufgeben konnte.


Daniela war außer sich. „Sag mal, bist du total wahnsinnig? Du gestehst mir, dass du mich seit JAHREN hintergehst, mit diesem, diesem…“ weiter kam sie nicht. Sie fluchte eigentlich nicht. „Ela, ich weiß, das ist sehr viel verlangt, aber wir beide sind doch erwachsen genug, um diese Situation zu meistern. Ich habe ihr nur gesagt, dass ich gerne da sein möchte, für meinen Sohn. Ich will die beiden hin und wieder besuchen, ihn sehen…“ „Warum ziehst du nicht gleich zu ihr, hm? Weißt du was, Joachim, du kannst gehen. Ich lasse mich von dir scheiden. Ich habe dich immer für einen ehrlichen Mann gehalten, aber du bist genauso wie alle anderen Männer. Ich will die Scheidung!“ „Aber Daniela! Kannst du mir nicht eine letzte Chance geben? Wir sind schon so lange verheiratet. Ich will meinen Sohn nur sehen, so oft ich kann. Ich hatte gehofft, dass du das verstehst. Schließlich wolltest du auch mal Kinder haben.“ „Nein Joachim, ich verstehe es nicht und unterstützen werde ich diese Dreieckssache auch nicht. Denn es endet hier und heute. Pack deine Sachen und geh, bitte.“
Er ließ die Schultern hängen und ging ins Schlafzimmer, um ein paar Sachen zu packen.
Er musste sich eingestehen, dass er Fehler gemacht hatte. Und nicht nur einen. Als er Christin kennengelernt hatte, wollte er nur einen schönen Abend mit ihr verbringen, nicht mehr. Er wollte sich mal mit einer anderen Frau unterhalten, etwas anderes hören, als das, was seine Frau ihm seit Jahrzehnten immer wieder erzählte, auch wenn er sie sehr liebte.
Er hatte sich am Ende nicht entscheiden können. Weder für Daniela, die immer hinter ihm gestanden hatte, noch für Christin, die sehr liebevoll war und ihn immer wieder aufgebaut hatte, in schweren Zeiten. Egal, ob im Beruf oder privat. Nun überlegte er, was zu tun war. Zu Christin gehen? In ein Hotel ziehen? Beides würde negative Schlagzeilen auf ihn werfen. Er würde wohl oder übel in ein Hotel ziehen müssen, das war das kleinere Übel. Aber was war mit Christin und Lukas, seinem Sohn? Er wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Bedrückt nahm er die Tasche mit seinen Sachen und ein paar Hemden, die Daniela ihm aus der Reinigung geholt hatte. Würde Christin sowas auch für ihn machen oder war sie gar zu emanzipiert? Er hatte Angst, was seine private Zukunft betraf. Er würde nach einer neuen Wohnung suchen, müssen, denn auf Dauer war ein Hotelaufenthalt keine gute Idee.
Dann packte er die Tasche in den Kofferraum und die Hemden an den Haltebügel, setzte sich ans Steuer und fuhr los. Zuerst zu Christin? Sie wohnte nur 15 Minuten von hier. Sollte sie etwas alles hier aufgeben und sich mit ihm etwas Neues suchen? Würde Daniela hier bleiben? Nach dem derzeitigen Stand war es keine gute Idee, ihr allzu bald über den Weg zu laufen. Fragen über Fragen häuften sich in seinem Kopf.
Er würde mit Christin reden müssen, so oder so. Vom Autotelefon rief er seinen Co Trainer an. Er ging nicht ans Telefon, stattdessen meldete sich die Mailbox. Nach kurzem Zögern entschied er sich, ihm eine Nachricht zu hinterlassen. „Ich habe einige Probleme zu klären, und darum bitte ich dich, mich so lange zu vertreten, wie es notwendig ist. Wenn es Probleme gibt, ich bin mobil zu erreichen.“ Dann beendete er das Gespräch. Auch wenn ihm seine Karriere als Trainer wichtig war, sehr sogar, aber der Job war früher oder später mal vorbei und er würde etwas anderes machen müssen.
Er liebte Christin und er liebte Daniela, aber er konnte keine von beiden einfach so vergessen. Für eine entscheiden konnte er sich erst Recht nicht. Er zermarterte sich weiter das Hirn nach einer Lösung, während er zu Christin fuhr. Mittlerweile war es später Nachmittag und er hoffte, sie zuhause anzutreffen.

Das Telefon klingelte, ich nahm ab. „Hallo?!“ fragte ich, bewusst gut gelaunt. „Hallo Christin, hier ist Petra. Du musst doch nicht auf die Kinder aufpassen. Meine Schwiegermutter hat sie mitgenommen ins Kino. Die schauen sich so einen Zeichentrickfilm an. Ich melde mich dann wieder, ja?“
„Ja, ist gut. Tschüss Petra.“ Ich stand in der Küche, Lukas lag nebenan in seiner Wippe und lauschte seiner Spieluhr. Ich hatte alles vorbereitet und hatte mich gefreut, mit den Kindern Kekse zu backen. Es wäre mir eine willkommene Abwechslung zu der Sache mit Joachim gewesen. Ich ging zu Lukas, er war eingeschlafen. Er hatte erst vorhin getrunken, also würde ich noch zwei oder drei Stunden Ruhe haben, bis er sich wieder meldete. „Und was mache ich jetzt mit den ganzen Sachen? Einfach wegwerfen?“ Ich ging wieder in die Küche, stellte die Kaffeemaschine an und machte mir einen Latte Macchiato aus der Dose. Eigentlich war es ein Milchkaffee, mit ganz viel Fantasie, aber ich fand, dass es so schöner klang.
Ich hörte ein Auto vorfahren. Es war Joachim. „Was will der denn schon wieder hier?“ Ich lief schnell zur Tür, um zu verhindern, dass er klingelte und damit Lukas weckte. Ich sah die Sachen in seinem Wagen. „Was machst du denn hier? Mach, das du rein kommst, bevor dich noch wer sieht!“ Er sagte nichts und lief stumm an mir vorbei in Richtung Küche. Ich schloss die Tür hinter ihm und folgte ihm in die Küche. Das war typisch Jogi, er konnte sich in jeder Situation noch ein Lächeln abringen. „Backst du gerade?“ fragte er etwas lauter. „Psst! Lukas schläft!“ fuhr ich ihn an. „Was machst du hier eigentlich? Wolltest du nicht deinem Frauchen alles beichten? Und dann auf Friede Freude Eierkuchen machen?“ „Jetzt putz mich mal nicht so runter, ja? Du hast dich schließlich in mich verliebt und du bist schwanger geworden, obwohl ich diesbezüglich eine klare Abmachung mit dir hatte.“ Das war zu viel. Ich rauschte zu ihm hin und verpasste ihm eine ordentliche Ohrfeige.
Er starrte mich an und hielt sich die Wange, auf der mein Handabdruck noch glänzte. „Es tut mir leid, Christin. Ich wollte dich nicht verletzen.“ Er setzte sich. Hatte er etwa Tränen in den Augen? Ich staunte nicht schlecht. Ich hatte mit ihm schon vieles erlebt, er hatte mir schon einiges erzählt, gutes wie schlechtes aber ich hatte ihn noch nie weinen sehen.
„Meine Ehe ist vorbei. Daniela will die Scheidung. Ich habe ihr alles erzählt und ihr gesagt, dass ich es noch einmal mit ihr versuchen will. Nur mit ihr. Aber ich wollte da sein, für Lukas.“ So schnell, wie sich mein Gemüt erhitzt hatte, so schnell kühlte es sich wieder ab. Ich machte Joachim Wortlos einen Milchkaffee und stellte die Tasse vor ihm hin. Er sagte nichts. Ich setzte mich ihm gegenüber. Da saßen wir beide nun. Wir beide hatten Fehler gemacht und mussten und ei Konsequenzen tragen. Es galt nur, Kollateralschäden zu verhindern.


Zuletzt von Christiane am Di Jul 06, 2010 7:09 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet (Grund : Fehlerverbesserung, Rating, Tippfehler!)
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Re: Löwin und Löwe

Beitrag von Aiyana am Di Jul 06, 2010 3:07 pm

Ich bin duuuuurch! Very Happy

Die Handlung der Geschichte gefällt mir gut, dieses Kopfüber in ein neues Leben und damit die Hürden, die man meistern muss. Was mir jedoch fehlt sind Gefühle und Emotionen. Du beschreibst die Handlungen, die Abläufe, aber schreibst diese nicht aus, zeigst dem Leser nicht, welche Emotionen sich ihren Weg bahnen und welche Gesten deine Charaktere machen.
Bis jetzt gefällt mir die Geschichte, allerdings bin ich nur Zuschauer. Ich würde aber gerne dabei sein! Very Happy

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Re: Löwin und Löwe

Beitrag von Christiane am Di Jul 06, 2010 7:11 pm

Danke, Maike!

Naja, also ein paar Gesten habe ich schon erwähnt und Gefühle kommen auch vor, deswegen verstehe ich gerade nicht, worauf du hinaus willst?!
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Re: Löwin und Löwe

Beitrag von honeyblood am Di Jul 06, 2010 7:37 pm

huhu!

ich habs nun auch vollständig gelesen.. uff..

maike meint vermutlich, dass man keine gelegenheit bekommt, richtig in die story, ins geschehen, und in die charaktere selbst einzutauchen..
du schreibst zwar alles sehr ausführlich auf, allerdings wirkt es ein bisschen, als würdest du einfach ein protokoll erstellen. tatsachen, dialoge.. irgendwie fällt es schwer, da richtig hineinzufallen, sich darauf einzulassen..
manchmal fällt das lesen ein bisschen schwer, da die dialoge zeitweise ein wenig.. schwerfällig eingebaut wurden. er sagt das, sie sagt das, er sagt das, sie sagt das.. mir persönlich gefällt es weniger, wenn dialoglastige absätze auf derartige weise gelöst werden.

die story kann sicherlich noch spannend werden, auch wenn sie für meinen geschmack im moment ein bisschen zu soap-mäßig ist.. Laughing
aber wie gesagt - sicherlich gute ansätze. Smile
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Re: Löwin und Löwe

Beitrag von Christiane am Di Jul 06, 2010 8:28 pm

Danke! Ich werde versuchen, darauf zu achten, die Dialoge besser zu lösen.
Und ich selber mag es nicht, wenn Seitenlang nur ein Gefühl umschrieben wird und nichts, einfach gar nichts passiert, da werde ich hibbelig bei. Ich handele das nicht allzu ausführlich ab, es sei denn, es fühlt sich gerade richtig und wichtig an. Aber ich werde veruchen, dem Ganzen mehr Tiefe zu geben.
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Re: Löwin und Löwe

Beitrag von Aiyana am Di Jul 06, 2010 8:41 pm

Um Tiefe ging es mir persönlich gar nicht. Du hast im ersten Abschnitt, welcher knapp 1300 Wörter hat, das erste Wiedersehen nach langer Zeit, den Weg von der Haustür zum Schlafzimmer, das halbe Vorspiel, die Offenbarung, dass Joachim Vater ist, das nächtliche Stillen, das erneute Auftauchen von Joachim im Schlafzimmer, das holen des Kindes und die erste Konfrontation von Vater und Sohn gepackt und bei so vielen Handlungen auf einem so kleinen Raum wirkt es, als wäre der Ablauf nur aufgezählt. Ich als Leser erfahre so zwar alles, was wichtig ist, aber ich kann mich nicht in die Geschichte hineinfühlen. Man sagt ja "Show and don't tell". Smile

_________________


Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind; arm ist nur, wer nie geträumt hat
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Re: Löwin und Löwe

Beitrag von honeyblood am Di Jul 06, 2010 8:56 pm

nein, ich mag es auch nicht, wenn ein gefühl ZU ausführlich behandelt wird.. da kann man schnell ungeduldig und gelangweilt werden.

aber das ganze sollte - für meinen geschmack - einfach ein bisschen 'flüssiger' und insgesamt.. einfach runder zu lesen sein.. im moment wirkt es eben noch ein wenig heruntergerattert.. Smile das passiert leicht mal, wenn man eine idee hat, die man möglichst exakt und auch in chronologischer ordnung aufs papier bringen möchte.. man muss dann wirklich aufpassen, dass es sich eben nicht zu sehr nach.. trockenem protokoll liest. Smile
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Re: Löwin und Löwe

Beitrag von Christiane am Sa Jul 10, 2010 12:34 pm

Are you strong enough to stand
protecting both your heart and mine? (Florence and the machine - Heavy in your arms)


I love you
Is all that you can't say
Years gone by and still
Words don't come easily
Like I love you
I love you ( Tracy Chapman – Baby can I hold you)



„Und wie geht es jetzt weiter?“ fragte ich ganz vorsichtig. Ich wusste nicht, was ich tun würde, wenn er vorhatte, mich ganz zu verlassen. Es war schon so schwer gewesen, ihn selten zu sehen, aber er hatte sich ab und an gemeldet und ich durfte ihn sehen. Ich hatte ein bisschen Angst vor seiner Antwort.
„Nun ja. Ich wollte mich für eine Weile zurückziehen, in ein Hotel gehen und von dort aus erst einmal alles organisieren. Dann hoffen, dass Daniela sich beruhigt und mir eine Chance gibt.“ Er trank von seinem Milchkaffee und blickte an die Wand. Dachte er denn gar nicht an mich? Mich überkam eine tiefe Trauer, dass er nicht daran gedacht hatte, zu mir zu kommen, der Mutter seines Sohnes, die ihn über alles liebte. „Willst du denn wirklich zu Daniela zurück oder machst du das nur, weil du keine Schlagzeilen willst?“ „Das hält sich die Waage. Auf der einen Seite kenne ich Daniela schon sehr, sehr lange und sie war immer die Frau an meiner Seite und hat zu mir gestanden und mich unterstützt, bei allem, was ich gemacht habe. Ich kann nicht einfach so weitermachen. Und du, du bist das Besondere, das Verbotene. Du hast dich immer liebevoll um mich gekümmert und bei dir konnte ich Ich sein. Der, der auch mal weinen darf.“ Er zog scharf die Luft ein. Er machte das sehr oft. Besonders, wenn er nicht wusste, was er sagen sollte. Und er zieht die Wörter lang, wenn er nach dem passenden Begriff sucht. Ich merkte, dass er nervös war. Ich wollte ihm die Ruhe geben, die er brauchte, um souverän zu sein. Er atmete noch einmal tief ein. Ich hatte noch nichts gesagt. Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte. Ich war sehr durcheinander; Ich möchte ihn gern bei mir haben, aber dann denke ich wieder, dass es für ihn vielleicht besser wäre, allein neu anzufangen.
Neuanfang. Ja, das würde ich auch gern, einfach weg von hier, aus diesem winzigen Ort, wo mich alle kannten und über alles Bescheid wussten. Bei Zeiten würde ich mir da noch einmal Gedanken drüber machen. Denn ich wüsste weder wohin, noch wie und mit welchem Geld. Ein Umzug ist leider sehr teuer.
„Ich werde für eine Weile in ein Hotel ziehen um das alles zu verarbeiten. Es ist so unglaublich viel passiert, mit dir und mir. Ich muss über einiges nachdenken. Gib mir bitte etwas Zeit.“ Er nahm meine Hand und drückte sie. Ich wusste, dass es das richtige war. Es war wirklich viel zu viel passiert in den letzten paar Tagen.
Ich hörte Lukas weinen. Ich sprang auf, um nicht noch Tränen in den Augen zu bekommen und zu weinen. Ich nahm Lukas auf den Arm und prüfte zuerst seine Windeln, sie waren nass. Ich war ziemlich irritiert, wie er so hinter mir her lief und fragte ihn, im Kinderzimmer angekommen: „Was ist denn?“ „Ich will wissen, wie das geht. Immerhin bin ich sein Vater und muss es lernen.“ Es war plötzlich viel lockerer zwischen uns und nicht mehr so bedrückt. Ich zeigte ihm, wie man Windeln wechselt. Ich verstand nicht, warum das für alle so schwer war. Ich hatte das auch noch nie gemacht, aber ich hatte darin sehr schnell Routine. „Aber ich finde es gut, dass du dich für ihn interessierst und es lernen willst.“ Lächelte ich ihn an, mit Lukas auf dem Arm. Er lächelte zurück. Sofort machte sich der Kloß in meinem Hals wieder bemerkbar. „Kann ich ihn mal halten?“ fragte er sehr vorsichtig und leise. Er hatte sehr viel Respekt vor diesem kleinen Bündel Leben, aber er war sehr neugierig und wollte seinen Sohn kennenlernen. Ich gab ihm Lukas in den Arm und zeigte Joachim, wie er das Köpfchen stützen musste und wie man einen Säugling richtig hält. Er hatte es sehr schnell raus. Ich war sehr stolz auf ihn. Ich strahlte übers ganze Gesicht. Er strahlte zurück. „Er ist so wundervoll. Christin, ich möchte wirklich für ihn da sein, wenn er mich braucht.“ Jetzt war es vorbei mit meiner Beherrschung. Herrgott nochmal! Warum musste ich ausgerechnet jetzt anfangen zu heulen? Meine Augen füllten sich sehr schnell mit Tränen und liefen schneller über, als das ich mir ein Kleenex hatte greifen können. Joachim mochte es nicht, wenn eine Frau weinte, das wusste ich. Bei einer Verabredung vor einigen Jahren hatte er mir einen Strauß Rosen mitgebracht und ich hatte mich sehr unglücklich an einer Dorne gestochen, so das mir vor Schmerz die Tränen in den Augen standen. Damals hatte er mir erzählt, dass er es nicht sehen konnte, wenn eine Frau weinte. Vielleicht weckte das ja seinen Beschützerinstinkt? Auf jeden Fall hatte ich versucht, das Weinen in seiner Gegenwart zu unterbinden und war damit auch mehr oder minder erfolgreich gewesen. „Christin, bitte nicht weinen. Bitte, bitte nicht.“ Ich ging ins Bad und ließ ihn dort mit Lukas im Arm stehen. Im Bad kühlte ich mein erhitztes Gesicht mit Wasser, trocknete es ab und kam mit einem aufgesetzt falschem Lächeln zurück. Er gab mir Lukas in den Arm und sagte „Ich muss ins Hotel, ich bin schon viel zu spät! Ich muss noch einiges erledigen, tut mir leid.“ Dann war er es, der uns stehen ließ. Ich folgte ihm bis auf die Treppe und in der Tür sagte er nur „Ruf mich an, wenn du etwas brauchst. Ich komme so schnell ich kann.“
Und schon war ich wieder allein. Es war wirklich zu viel passiert. Ich würde ihn nicht anrufen. Eine ganze Zeit nicht. Vielleicht sollte ich ihn nie anrufen und auch nicht mehr ans Telefon gehen, wenn er dran war. Vielleicht würde dann alles wieder gut werden. Es war alles meine Schuld. Meine Schuld, weil ich ihn liebte.


Er fuhr etwa eine gefühlte Ewigkeit mit dem Auto ziellos in der Gegend rum, bis er einen klaren Gedanken fasste und sich wirklich ein Hotel suchte. Es war schon längst dunkel und ein Hotel mit Nachtempfang zu finden, war gar nicht so leicht. Als er ein Hotel gefunden hatte, ging er sofort auf sein Zimmer und wies auch den Zimmerservice ab, der ihm noch einen Imbiss bringen wollte. Hunger hatte er keinen. Er führte zuerst die zwingend notwendigen Telefonate. Sein engster Vertrauter. Sollte er ihm sagen, was vorgefallen war? Die Affäre mit Christin hatte er ja schließlich die ganze Zeit geheim gehalten. Er zweifelte nicht daran, dass Lukas nicht sein Sohn sein könnte. Sie hatte Recht gehabt. Damals, vor etwa einem Jahr, da hatte sie eine schlimme Grippe erwischt und er hatte sie besucht, obwohl sie gesagt hatte, das sie schrecklich aussehe und niemanden sehen wollte. Innerlich lachte er bei der Erinnerung an die Klapperdünne Christin, versunken in einem dicken Wollschal und dem Pullover ihrer Mutter. Sie hatten eingerollt in der Decke auf dem Sofa gesessen und Tee getrunken und geredet. Sie war so schrecklich krank gewesen, hatte Unmengen an Taschentüchern verbraucht, die alle geradewegs in den Papierkorb neben ihr wanderten. Sie hatte eine schlimme Angina und nahm Penicillin. Er hatte versucht, sie aufzumuntern, und Späße mit ihr gemacht. Dann lag er auf ihr und sie sahen sich in die Augen. Es war ihm egal, wie krank sie war, er begehrte sie einfach unglaublich. Das war sein Problem. Christin war in seinen Augen immer schwach gewesen und er hatte einen unwahrscheinlich großen Beschützerinstinkt. Ein Blick in ihre Augen und es war um ihn geschehen. Er hatte an diesem Nachmittag mit ihr geschlafen. Er wusste nicht, ob er sie danach je wieder ansehen können würde, denn er wusste, dass er etwas für Christin empfand. Nur was, das wurde ihm erst jetzt klar. Christin war nicht mehr schwach. Sie war stärker geworden, hatte ihm sogar eine Ohrfeige verpasst! Er empfand etwas für Lukas. So fühlte es sich an, Vater zu sein. Er lag auf dem Bett, das Telefon in der Hand. Nur was sollte er tun? Daniela war sein Ruhepol. Sie gab ihm Kraft für alles, was da kam. Und Christin, war seine Familie, sein Herz. Er hatte sich innerlich immer eine Familie gewünscht. Er wünschte sich, Daniela würde es verstehen, was da in ihm vorging. Dass er sie nie hatte verletzen wollen. Er entschied sich, weiterhin alle zu belügen und zu sagen, es hätte einen Todesfall in der Familie gegeben. Gab es ja irgendwie auch. Seine langjährige Ehe wurde zu Grabe getragen und er war der einzige Trauergast.


No, I can't forget this evening
Or your face as you were leaving
But I guess that's just the way the story goes
You always smile but in your eyes your sorrow shows
Yes, it shows
I can't live if living is without you
I can't live, I can't give any more
Can't live if living is without you
I can't give, I can't give any more – Harry Nilsson – Without you



In den folgenden Monaten war Joachim fortgezogen. Er war nach Frankfurt gegangen, um in der Nähe des DFB zu sein. Außerdem wollte er Raum für sich haben, Zeit zum nachdenken. Aber viel Ruhe hatte er nicht. Er hatte jede Menge Arbeit; die Mannschaft trainieren, Spieler beaufsichtigen, Organisation für die Weltmeisterschaft, die immer näher rückte. Und Christin meldete sich nicht. Auch von Daniela hatte er noch nichts gehört. Er hatte ihr eine Nachricht zukommen lassen, das er jetzt vorübergehend in Frankfurt wohnen würde und ihr seine Kontaktdaten gegeben, aber es kam nichts. Ihm blieb nicht viel, als zu arbeiten. Sehr oft, manchmal bis zu drei Mal am Tag wählte er Christins Nummer. Und drückte sie wieder weg. Wenn sie sich jetzt nicht mehr meldete, wollte sie ihn nicht mehr sehen. Aber hatte er etwas falsch gemacht? Er vermisste seinen Sohn. Er stellte sich dieselben Fragen immer und immer wieder und fand keine Antwort darauf. Kurz vor Ende der Bundesliga Saison meldete er sich bei Daniela an, um die letzten Sachen aus dem gemeinsamen Haus zu holen. Sollte sie wirklich die Scheidung einreichen, würde Daniela das Haus wohl behalten wollen. Sie liebte das Haus. Er parkte auf der Auffahrt und stieg aus. Als er das Haus vor sich sah, dachte er wieder daran, wie sie das Haus gemeinsam gekauft hatten. Sie beide standen im Buch als Eigentümer. Er wollte sich von Daniela nicht scheiden lassen. Aber er musste sich eingestehen, dass er sie falsch behandelt hatte. Er hatte noch keine Gelegenheit gehabt, die Schlüssel abzugeben und er befürchtete, dass sie die Schlösser wohl oder übel hatte auswechseln lassen, nach seinem Auszug. Er steckte den Schlüssel ins Schloss, und drehte um. Die Tür ging auf! Meinte Daniela es doch nicht so ernst, mit der Scheidung, wie sie gesagt hatte? Vielleicht hatte sie nur nicht daran gedacht, dass er sich selber einlassen würde. Er öffnete die Tür und ging hinein. „Hallo?“ Keine Antwort. Daniela war nicht da. Sie war vermutlich absichtlich gegangen, um ihm aus dem Weg zu gehen. Er hatte sich vor ein paar Tagen schon angekündigt, damit sie auch zuhause war und sie alles weitere besprechen konnten. Aber nein, sie war gegangen. Dann sah er die Kisten; unübersehbar waren sie fein säuberlich im Flur gestapelt. Ein Zettel hing daran: „Habe deine Sachen für dich gepackt. Lass die Schlüssel hier, wenn du gehst. – Daniela“ ‚Oh Daniela. Was hab ich nur getan? ‘ Er sank auf den Boden.


There's a possibility, there's a possibility
All that I had was all I gon´ get.
There's a possibility, there's a possibility
All I gonna get is gone with your step.
All I gonna get is gone with your step.
So tell me when you hear my heart stop, you’re the only one who knows!
Tell me when you hear my silence.
There's a possibility I wouldn't know. (Lykke Li – Possibility)


Christin hatte in den Monaten versucht, Joachim auszublenden. Es war zunehmend schwerer geworden, mit dem bisschen Geld, das sie vom Staat bekam, als Stütze, also musste sie sich einen Job suchen. Sie fand es sehr schwer, gleichzeitig auch nach einer Betreuung für Lukas zu suchen. Und dann hatte sie ein Angebot von einer Kindertagesstätte bekommen: Lukas konnte dort bleiben und die Kosten wurden ihr verrechnet. Trotzdem blieb noch einiges übrig und Christin war sehr glücklich mit dieser Lösung.
Ihre Kolleginnen waren meist alleinerziehende Mütter, das Projekt wurde von ProFamila geleitet.
Die Arbeit mit den Kindern machte ihr Spaß und ihre Kolleginnen waren alle sehr nett. Sie hatte sehr schnell Freundschaft zu Marianne geschlossen, eine junge Frau, die mit gerademal neunzehn ungewollt schwanger geworden war, von ihrem Freund, der sie daraufhin verlassen hatte. Eine Abtreibung war ihr nie in den Sinn gekommen. „Ich wusste von Anfang an, dass ich das Baby behalten möchte, auch wenn man mich oft zur Abtreibung gedrängt hat. Und als ich dann erfuhr, dass es ein Mädchen wird, wusste ich, das Julia mein Sonnenschein wird.“ Ja, die kleine Julia, mittlerweile zwei Jahre alt, war wirklich ein Sonnenschein, mit ihrem blondgelockten Haar.
Marianne machte in der Stätte eine Ausbildung zur Erzieherin, da sie sonst keine andere Alternative gefunden hatte. „Julia ist wirklich ein Abbild von dir, Anne. Hat sie überhaupt etwas von ihrem Vater?“ fragte ich neugierig. Anne war der Kosename, den ich ihr gegeben hatte. Wir waren im Garten der Stätte, wo die Kinder draußen spielten. Die kleineren waren mit der anderen Gruppe auf der Rückseite des Gartens. Sie träumte. Ihr Blick verfolgte Julia. Sollte ich sie noch einmal fragen? Hatte sie mich etwa nicht gehört? „Ja, die Augen. Ihre sind blau, meine sind braun.“ Sie hatte mich doch gehört. Aber es schien ihr schwer zu fallen, von ihrem Exfreund zu sprechen. „Hm, das ist wie bei Lukas. Er hat auch die Augen von seinem Vater.“ „Sag mal, warst du mit dem Vater von Lukas lange zusammen? Du erscheinst mir so vernünftig, das dir sowas wie mir nicht passieren sollte.“ Ich lachte. „Ja, ich war mit Lukas‘ Vater schon eine ganze Weile zusammen. Aber er ist verheiratet. Ich war die andere Frau. Aber es ist vorbei. Er ist wieder bei ihr, wo er hingehört. Ich bin schwanger geworden, als ich krank war. Penicillin und die Pille vertragen sich nicht besonders.“ „Oh, das ist hart. Und er unterstützt euch nicht finanziell?“ „Doch, er will es. Aber ich kann das nicht. Ich will es alleine schaffen.“ Sie schwieg. Sie war mir ein Mysterium. Ihr langes blondes Haar fiel ihn in weichen Wellen die Schultern hinab. Dann sah sie mich an und lächelte. Ich wusste nicht mehr, was ich für sie empfand. Sie war mir am Anfang eine große Stütze gewesen, sie war hier schon seit zwei Jahren, in einem Jahr hatte sie ihre Ausbildung fertig und konnte eine Weiterführende Schule besuchen. Ich wollte sie gern in den Arm nehmen. Am Anfang hatten wir das oft getan, aber jetzt traute ich mich nicht mehr. War ich etwa dabei, mich in sie zu verlieben? Nein, ich liebte doch Joachim. Was machte ich da nur? Aber Anne war immer da, in meinem Kopf. Wir trafen uns häufig, gingen zusammen spazieren, zum Spielplatz oder besuchten uns gegenseitig. Aber wir waren häufiger bei mir, weil ich einen kleinen Garten hatte, in dem die Kinder spielen konnten. Sie beneidete mich immer um das Haus. „Du hast es wirklich gut!“ pflegte sie dann zu sagen. „Mir wäre es aber lieber, wenn meine Eltern noch leben würden.“ Antwortete ich dann.

Es war mittlerweile Anfang Juli und die Hitze war kaum mehr auszuhalten. „Zuerst eisiger Winter, und jetzt heißer Sommer!“ stöhnte ich. Am Nachmittag wollte Anne vorbeikommen, mit Julia und wir wollten einen Kaffee trinken. Aber angesichts der Hitze hatte ich Eis gekauft und wir machten uns einen Milchshake. Beim albern in der Küche hatten wir jede Menge Spaß gehabt und jetzt saßen wir im schattigen Wohnzimmer und schlürften unseren Milchshake. „Es ist immer richtig schön bei dir, Christin. Ich hatte noch nie eine Freundin wie dich.“ Ein wenig unverhofft und impulsiv nahm sie mich in den Arm und herzte mich. ‚Huch? Unverhofft kommt oft‘ dachte ich mir und drückte zurück. „Ja, so geht es mir mit dir auch.“ Seufzte ich.

Joachim war in Südafrika nicht er selbst. Er war unkonzentriert und nervös. Das erste Spiel war toll, das zweite mies, das dritte so lala und erst dann bekamen sie einen richtigen Lauf. Wurde die Mannschaft besser, so wurde er ruhiger und gelassener. Am Abend nach dem 4:1 Sieg gegen England saß er mit seinem Co Trainer Hansi Flick noch eine Weile an der Bar und trank ein Bier. „Jogi, jetzt wäre eigentlich ein passender Augenblick, um mir zu sagen, was mit dir und Daniela los ist und warum sie nicht hergekommen ist. „Sie lässt sich scheiden.“ Sagte er ganz gelassen und trank sein Bier aus. Er wollte jetzt auf sein Zimmer, um nicht weiter mit ihm darüber reden zu müssen. Aber Hansi folgte ihm auf dem Fuße. „Jetzt warte doch mal. Ich wollte mit dir reden. Ich merke, dass dich das bedrückt. Aber da ist noch mehr. Wäre da nur die Scheidung, hättest du mir das erzählt. Ich bin dein engster Freund!“ Hansi war ihm in den Fahrstuhl gefolgt. „Hansi, hör mal. Ich will und kann dich da nicht mit reinziehen, das ist meine Sache und es hängt schon eine Menge mit dran.“ „Aber ich werde nicht ein Wort gegenüber irgendjemandem verlieren. Ich schwöre es. Jogi, du kennst mich. Ich will dir nur helfen!“ Sie standen jetzt vor Jogis Zimmertür. „Na dann komm schon rein.“ Er war nicht sehr erfreut, aber er wusste, dass es ihm gut tun würde, mal über alles zu reden. Er stand am Fenster und blickte in die finstere Nacht. Hansi setzte sich in den Sessel in der Ecke. Jogi öffnete die Hotelbar, nahm zwei Gläser und schenkte zwei Whiskey ein. Ein Glas stellte er vor Hansi. „Den wirst du brauchen.“ Und setzte sich dann in den anderen Sessel. Hansi sagte nichts, sah ihn nur abwartend an. „Ich habe, nein ich hatte eine Affäre. Seit fünf Jahren schon. Diese Frau, Christin, ich glaube ich liebe sie wirklich. Ich habe einen Sohn mit ihr. Ich musste Daniela davon erzählen. Du kannst dir vorstellen, wie wütend sie war. Sie hat mich aus dem Haus geworfen. Und Christin will mich auch nicht mehr sehen. Sie denkt, das alles sei ihre Schuld. Sie hat mir gesagt, dass sie mich liebt; ich vermisse meinen Sohn. Ich habe ihn seit Dezember letzten Jahres nicht mehr gesehen. Er war damals zwei Monate alt.“ Er endete und nahm einen tiefen Schluck aus dem Glas. Hansi tat es ihm gleich. „Okay, das ist krass. Aber hey! Ich meine, ruf sie doch endlich mal an! Warum hast du das nicht schon längst getan? Du lässt doch sonst nie etwas anbrennen?!“ „Ich kann nicht. Und wenn, dann geht sie nicht ran.“ Er schnappte sich Jogis Handy, das auf dem Tisch lag. „Dann mach ich das eben. Das kann ja so nicht weiter gehen mit dir, dieses Trauerspiel.“ „Aber du kannst doch nicht…“ wand Jogi ein. Er hatte sehr schnell den Eintrag gefunden, der auf „Christin“ lautete und bestätigte. Dann klingelte es. Er hielt Jogi das Telefon ans Ohr, er übernahm mit einem kurzen Zögern. Es klingelte, zweimal, dreimal, viermal. Dann wurde abgehoben. „Christin ist gerade nicht da.“ Meldete sich eine fremde Frauenstimme. „E – Entschuldigung, aber wer ist da?“ fragte er ein wenig brüskiert. Hatte Hansi sich etwa vertan? Nein, die Stimme hatte Christin genannt. „Hier ist ihre Loverin. Kann ich ihr was ausrichten? Sind sie das Arsch, das sie mit dem Kind sitzen gelassen hat? Wissen sie was? Sie können mich kreuzweise.“ Sie legte auf. Joachim starrte den Hörer an. „Ich glaube, sie hat schon Ersatz.“ Er war fassungslos. Was war da nur los?
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