Der Kuss des Morgenlichts

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

Der Kuss des Morgenlichts

Beitrag von Aiyana am Do Mai 06, 2010 6:51 pm

Der Kuss des Morgenlichts von Leah Cohn

Wertung
Spannung Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven - Like a Star @ heaven
Handlung Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven
Emotionen Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven - Like a Star @ heaven
Sprache Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven
Humor Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven
Welt Like a Star @ heaven Like a Star @ heaven - Like a Star @ heaven

Inhalt
Sophie ist eine talentierte Musikstudentin, ihr Steckenpferd das Klavier. Die kleine Wohnung, in der sie wohnt, teilt sie sich mit ihrer Freundin Nele und während diese vor Lebensfreude und Selbstbewusstsein nur so strotzt plagen Sophie stets die Selbstzweifel. Sie findet sich nicht hübsch, hält sich für nicht gut genug und der Gedanke daran, vor anderen zu spielen, macht sie fertig. Ihre Einstellung zu sich selbst und ihr Auftreten machen sie bei ihren Mitstudenten alles andere als beliebt – sie halten sie für eine Streberin, für langweilig und hinter ihrem Rücken wird immerzu gelästert.
Als dann der begnadete Cellist Nathanael Grigori im Mozarteum auftaucht ändert sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen. Sie hört ihn Rachmaninow mit solch einer Leidenschaft spielen, dass sie ohne Zweifel die gleiche Sprache zu sprechen scheinen. Nach einem zufälligen Treffen in der Cafeteria spielen sie fortan regelmäßig gemeinsam und wenngleich Nathan distanziert wirkt und nur wenig bis nichts von sich preisgibt, ist die junge Studentin gefangen in einem Strudel der Gefühle. Noch nie war sie so glücklich, wie in dieser Zeit, noch nie fühlte sie sich so frei. Nach einer gemeinsamen Liebesnacht jedoch verschwindet Nathan plötzlich und das einzige, was ihr von ihm noch bleibt ist ein Abschiedsbrief und sein Kind, das sie unter ihrem Herzen trägt.
Tief ist das Loch, in das Sophie nun fällt. Sie verspürt weder Hunger noch hat sie Lebensmut und ihre Lust die Tasten eines Klaviers zu berühren und den Klängen zu lauschen, ist gemeinsam mit Nathan verschwunden – nur die Geburt der kleinen Aurora kann sie ins Leben zurückholen.
Sieben Jahre später steht Sophie mit beiden Beinen im Leben und geht im Muttersein völlig auf. Als Aurora nach ihrem 7. Geburtstag immer häufiger in eine Art Trance-Zustand verfällt, verlässt Sophie mit ihr, für die Dauer des Sommers, Salzburg und zieht in die alte Villa, die sie von ihrem Vater geerbt hat. In der neuen Umgebung scheint ihre Tochter regelrecht aufzublühen und Sophie fühlt sich dadurch bestärkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Nachdem sie jedoch Bekanntschaft mit ihrem neuen Nachbarn machen, dieser Aurora berührt und das Mädchen daraufhin zusammenbricht und von Krampfanfällen geschüttelt wird, nimmt alles eine Wendung, wie sie sich Sophie in ihren größten Albträumen nicht vorgestellt hat. Ihre geliebte Tochter spricht auf einmal mehrere Sprachen, weiß Dinge, die sie in ihrem Alter noch gar nicht wissen kann und Sophie merkt mehr und mehr, wie ihr ihr Kind unheimlich erscheint.
In ihrer Sorge um Aurora bleibt Sophie kaum Zeit für sich und ihre Arbeit und so stellt sie bald nach ihrer Ankunft in der Villa ein Kindermädchen ein. Die junge Cara scheint von der ersten Minute an einen guten Draht zu dem Mädchen aufzubauen und bald verbessert sich auch Auroras Allgemeinzustand deutlich. Als jedoch ihr mysteriöser Nachbar, Caspar von Kranichstein, nicht aufhört sich ihrer Tochter zu nähern, eine Mordserie das Dorf in Unruhe versetzt und Sophie ein merkwürdiges Gespräch mitanhört, das Cara per Telefon führt, fühlt sich die junge Mutter langsam am Ende ihrer Kräfte. Zu allem Überfluss steht dann auf einmal auch noch Nathan vor ihr, der ihr eine unglaubliche Geschichte erzählt und ihr offenbart, dass ihre gemeinsame Tochter im Mittelpunkt eines alten Kampfes zwischen Gut und Böse steht..

Anmerkung zum Buch
In „Der Kuss des Morgenlichts“ wird die Geschichte von Sophie, die auch direkt als Erzählerin fungiert, wiedergegeben. Der Schreibstil der Autorin ist fließend, reich an Aufzählungen und leicht zu verstehen. Durch die verträumte Art der Protagonistin wird der Leser schnell in die Gefühlswelt von Sophie eingeführt und kann so auch direkt eine Beziehung zu ihr aufbauen.
Auf knapp 430 Seiten erleben wir hautnah mit, was sich in Sophies Gefühlswelt abspielt, wie sie mit Veränderungen umgeht, was die Musik in ihr auslöst und was ihre größten Ängste sind. Gut gefallen hat mir hier die Entwicklung Sophies, die sich vom unscheinbaren Ding zu einer selbstbewussten Frau gemausert und dabei nichts an Natürlichkeit und Sympathie eingebüßt hat. Durch ihre Sicht der Dinge stellt sich der Leser bald die gleichen Fragen wie sie und wenngleich er sicherlich um einiges schneller dabei ist, die Rätsel zu lösen, wirkt Sophie in ihrem Tempo nicht langsam.
Während wir die Erzählerin gut kennenlernen, bleiben all die anderen Charaktere fast gänzlich blass. Fast das gesamte Buch über erzählt Sophie die Geschichte lediglich anstatt uns auch mal daran teilhaben zu lassen und die wenigen Szenen, in denen der Leser die Handlung hautnah mitbekommt, waren für meinen Geschmack viel zu rar. Die paar und immer wieder nur kurz gehaltenen Dialoge konnten -wenngleich man so zumindest einen kleinen Blick auf die weiteren Charaktere bekommt- auch nichts daran ändern, dass mir alle anderen neben Sophie immer noch fast fremd sind. Besonders gestört hat mich das im Fall von Nathan. Er ist der männliche Gegenpart und ich weiß kaum etwas über ihn, konnte nie richtig hinter seine Fassade blicken, weil ich mir selber nur ein sehr verschwommenes Bild von ihm bilden konnte. Wenig vorteilhaft finde ich auch die Tatsache, dass sich die kleine Aurora in Satzstellung und Ausdrucksweise nicht von ihrer Mutter unterscheidet. Während ich das im Zuge ihrer Veränderungen noch gerade so hätte nachvollziehen können, war das Mädchen leider auch ansonsten nichts Eigenständiges (natürlich nur auf den Satzbau und die Ausdrucksweise bezogen, denn wirklich mehr bekommt der Leser hautnah gar nicht mit), sondern reihte sich in den sprachlichen Einheitsbrei der Dialoge ein und da half auch kein „Mama“ oder „Mami“ um sie irgendwie altersgerechter darzustellen.
Gut umgesetzt war jedoch wiederum der Zwiespalt in dem Sophie sich befindet, hin- und hergerissen zwischen Muttersein und der Angst um und vor ihrem Kind. Hier spürte man wieder die Bindung zum Charakter, das Mitfühlen war möglich und man konnte dadurch auch erneut ein wenig über ihre Umgebung erfahren. Sie schildert ihre Beobachtungen, die Veränderungen, die ihre Tochter durchmacht, die Kleinigkeiten, die ihr bei Cara auffallen, den Eindruck, den ihr Nachbar bei ihr hinterlässt und auch Nathans Gesichtsausdruck bei ihrer ersten Begegnung nach 7 Jahren nimmt sie bis ins kleinste Detail wahr. Allerdings hilft das dem Leser auch nicht wirklich dabei, ein bisschen Farbe in die trist dargestellten Nebencharaktere zu bringen. Es scheint fast so, als wäre die Autorin hier gänzlich darin aufgegangen Sophie zu formen und hätte dabei völlig vergessen, dass auch die Welt um sie herum sehr wichtig ist, um der Geschichte Leben und Charme einzuhauchen.
Die Rätsel, mit denen Leah Cohn den Leser füttert, glänzen -obwohl sie nicht schlecht sind- leider auch nicht von Ausdauer, denn viel zu schnell gelingt es, Licht ins Dunkel zu bringen. Einzig die Frage, wessen Perspektive hier und da, in geschwungener Schrift und in der 3. Person geschrieben, in die Geschichte miteinfließt, hält sich fast bis zum Schluss. Mir, der es persönlich viel Spaß macht, während des Lesens zu rätseln und ein bisschen Detektiv zu spielen, war das eindeutig zu wenig.
Sprachlich allerdings konnte die Autorin mich völlig überzeugen. Mit einer scheinbaren Leichtigkeit wirkt die Geschichte erzählt und die immer wiederkehrende Verbindung zur Musik hat mich Gefühle und Liebe mal auf eine andere Weise erleben lassen.

Fazit
„Der Kuss des Morgenlichts“ ist mit seinen Hochs und Tiefs mit Sicherheit kein Meisterwerk, aber es ist auch kein Buch, von dem man definitiv die Finger lassen sollte. Genauso, wie es schlecht umgesetzte Handlungsstränge hat, hat es auch welche, die wirklich gut gelungen sind und die man dann auch gerne liest.

_________________


Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind; arm ist nur, wer nie geträumt hat
(Marie v. Ebner-Eschenbach)


Cogito ergo sum

Meine Urkunde und der Doktortitel beweisen es: ich bin die süßeste Schokomaus, die es gibt! MrGreen
avatar
Aiyana
Fantast

Anzahl der Beiträge : 3157

Anmeldedatum : 01.03.10
Alter : 36

Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben

- Ähnliche Themen

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten